Reiten als Schulsport
Ganztagsschule und Pferdesport - Möglichkeiten kennen, Chancen nutzen
Projekte, die Reitsport in den Schulunterricht integrieren, gibt es schon länger. Durch die mittlerweile bundesweit fortschreitende Einführung der Ganztagsschule eröffnen sich für Vereine und Betriebe eine Reihe von Herausforderungen, aber auch völlig neue Perspektiven: Ein ganz wesentlicher Baustein der Ganztagsschulform ist nämlich die Kooperation mit außerschulischen Partnern. Pferdesportliche Angebote können so viel einfacher in das Schulleben integriert werden.
Wann ist eine Schule eine Ganztagsschule?
An Ganztagsschulen muss für die Schüler über den vormittäglichen Unterricht hinaus an mindestens drei Tagen in der Woche ein ganztägiges Angebot bereitgestellt wird, das täglich mindestens sieben Zeitstunden beträgt. Die nachmittäglichen Angebote werden unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert und durchgeführt. Sie müssen in einem konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht stehen.
Welche Probleme entstehen durch den Ganztagsschulbetrieb für Pferdesportvereine und -betriebe?
Da ein Großteil der nachmittäglichen Freizeit wegfällt, müssen Vereine und Betriebe im Bereich einer Ganztagsschule ihr Angebot überdenken: Oft muss der Reitschulbetrieb für Kinder und Jugendliche auf spätere Stunden verlegt werden und kollidiert damit unter Umständen mit den Nutzungszeiten berufstätiger Reiter. Unter Umständen gehen so Kunden oder Mitglieder verloren, die Auslastung der Schulpferde kann sinken.
Welche Chancen hat der Ganztagsschulbetrieb für den Pferdesport, seine Vereine und Betriebe?
Gelingt es, den Pferdsport in das Angebot der Schule zu integrieren, können beide Seiten davon profitieren: Die Vereine und Betriebe erschließen sich über den Imagegewinn hinaus neue Möglichkeiten zur Mitglieds- bzw. Kundengewinnung sowie zur Talentfindung und -förderung. Zudem erhalten sie Gelder vom Bildungsträger und können Zuschüsse vom Landesverband oder Landessportbund beantragen. Sie können so neue Angebote und Schwerpunkte entwickeln und ihren Schulpferdebetrieb besser auslasten.
Welche Umsetzungsmöglichkeiten gibt es?
Reiten und Voltigieren im Schulsport kann nicht den regulären Sportunterricht ersetzen. Im außerunterrichtlichen Sport bieten sich jedoch eine Reihe von Durchführungsformen an, die ein- oder mehrmalig oder sogar dauerhaft angeboten werden können. Hierzu gehören der Sportförderunterricht, Reit- und Voltigier-AGs, aber auch die Teilnahme an Schulsporttagen und Projektwochen. Für die Schule sind weiterhin Kooperationen über Ferienangebote und Patenschaften denkbar.
Welche Voraussetzungen braucht ein Verein oder Betrieb für Schulangebote?
Die einzusetzenden Lehrpferde müssen gegen Fremdreiterrisiko und haftpflichtversichert sein, der teilnehmende Ausbilder mindestens eine Trainer-C-Lizenz besitzen. Wichtig: Im Kooperationsvertrag mit der Schule muss ausdrücklich vermerkt sein, dass es sich bei den Pferdesportangeboten um eine genehmigte Schulveranstaltung handelt. Dann sind die Kinder sowohl auf dem Transport zur Reitanlage als auch beim Aufenthalt in der Reitanlage über die Schule versichert. Von Bundesland zu Bundesland variieren die Bestimmungen. Deshalb sollten sich beide Seiten bei den Schulsportbeauftragten der Landesverbände oder beim zuständigen Kultusministerium über die jeweiligen Besonderheiten informieren.
Wie sollten Vereine und Betriebe vorgehen, die sich in der Schule engagieren wollen?
In der Vorbereitungsphase muss geklärt werden, welche inhaltlichen, personellen, zeitlichen, und örtlichen Möglichkeiten der Verein bzw. Betrieb für Kooperationen mit Schulen hat: Sind genügend Lehrpferde und ein Trainer mit einer C-Lizenz vorhanden? Dann kann festgelegt werden, welche konkreten Ziele mit der Kooperation erreicht werden sollen und ein Verantwortlicher bestimmt werden. Dieser muss dann Informationen über mögliche Kooperationspartner einholen, zum Beispiel beim Sportamt, Schulamt, Gemeinde- bzw. Stadtsportverband. Weitere Unterstützung bekommt er beim Landespferdesportverband und dessen Schulsportbeauftragten, bei den Sportbünden und bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN).
In der Kontaktphase müssen Verein oder Betrieb herausfinden, welche Schulen in der Nähe vorhanden sind und gegebenenfalls bereits mit anderen Sportvereinen kooperieren. Hier kann man sich möglicherweise Ansprechpartner an den Schulen vermitteln lassen. Der Schule gegenüber ist die dauerhafte Verlässlichkeit des Angebots sicherzustellen. Genaue Absprachen zu Laufzeit, Organisationsform, verantwortlicher Lehrkraft, Finanzierung sowie des Transfers der Schüler zur Reitanlage müssen nun genau geklärt und in einem Kooperationsvertrag fixiert werden. Es bietet sich an, sich als Kooperationspartner zum Schuljahresbeginn bei Eltern und Lehrerkonferenz vorzustellen und einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt zu planen.
In der Durchführungsphase muss der Verein bzw. Betrieb den Informationsfluss zwischen Schule, Verein und Trainer sicherstellen. Um das Angebot dauerhaft zu sichern, sollten Verlauf und Erfolg der Kooperation ermittelt und dokumentiert werden. Hierfür muss regelmäßig die Zufriedenheit mit dem Angebot bei allen Beteiligen ermittelt werden, zum Beispiel durch Fragebögen an Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung. Die Ergebnisse fließen dann in die weitere Arbeit ein. Vereine können den Schülern weitere Angebote im Rahmen einer Mitgliedschaft eröffnen.
Weiterführende Informationen und nützliche Links:
- Ansprechpartnerin bei der FN: Maria Schierhölter-Otte, E-Mail: mschierhoelter@fn-dokr.de, Tel.: 02581/6362-135
- Schulsportbeauftragte der Landesverbände
- Muster Kooperationsvereinbarung Schule - Reitverein
- Einverständniserklärung Schulsport Reiten / Voltigieren
- Formular Reithelme
- Broschüre "Neue Wege zum Pferd - Möglichkeiten im Schulsport"
- Flyer "Die Ganztagsschule"
- Rahmenkonzept im Schulsport
- Unterrichtsmaterial für Grundschüler
- Unterrichtsmaterial für Sek. I Klasse 5-7
- Unterrichtsmateriel für Sek. I Klasse 8-10
- Handbuch Schulsport
Stand: 13.03.2012














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