Ein echter Familienbetrieb

Ein Bericht des Reitclub Dürwiß und des Reitstalls Kranen-Leonards in Eschweiler/RHL

Mehr Schulpferde braucht das Land, besagt eine Studie der FN. Es gibt zwar viele Ställe, aber zu wenige mit qualifiziertem Schulbetrieb. Dabei sind diese unbeschreiblich wichtig. In Reitschulen werden die ersten zarten Bande mit dem Partner Pferd geknüpft, drehen kleine wie große Reitanfänger ihre ersten Runden im Sattel, lernen bereits sattelfeste Reiter Neues. Der klassische Schulbetrieb ist das Tor zum Reitsport! Deshalb stellt RRP in diesem Jahr Reitschulen aus dem Rheinland vor. In dieser Ausgabe den Betrieb der Familie Kranen-Leonards, der  in Eschweiler auf der Anlage des Reitclub Dürwiß geführt wird.

Das Jahr 2010 ist für Hildegard Kranen-Leonards ein ganz besonderes, denn es ist das Jahr des „silbernen Jubiläums“: Im Januar 1985 - also vor 25 Jahren - hat sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ihr Hobby zum Beruf gemacht, indem sie Schulbetrieb und Pensionsstall auf der Anlage des Reitclub Dürwiß übernahm. „Meine Familie war dem Reitclub Dürwiß schon immer eng verbunden, mein Vater Jakob ist schon seit 30 Jahren im Vorstand des Vereins tätig und hat früher schon den Pensionspferdebetrieb hier geführt“, erzählt die heutige Betreiberin des Stalls. „Und als dann mein Vorgänger Herr Zimmermann den Schulbetrieb aus Altersgründen abgegeben hat und der Verein einen Nachfolger gesucht hat, habe ich meinen Beruf als Floristin kurzerhand an den Nagel gehängt und im wahrsten Sinne des Wortes umgesattelt.“ Auch Hildegard Kranen-Leonards’ Mann Paul-Willy war schnell Feuer und Flamme für die Idee – der Beginn eines echten Familienbetriebs.
Mit den zwei eigenen Pferden und drei Lehrpferden, die sie von ihrem Vorgänger übernahmen, startete das Paar den Schulbetrieb. „Die Pferde standen damals noch auf unserem alten Hof und mussten jeden Tag den Weg von ungefähr 600 Metern hier her geführt werden. Das war ein bisschen umständlich“, erinnert sich Paul-Willy Leonards. Der Schulbetrieb lief damals täglich von 14.00 bis 17.00 Uhr, nur einmal in der Woche gab es eine Abendstunde für Erwachsene. Da die schulpflichtigen Kinder allerdings immer häufiger bis nachmittags in der Schule sind, hat sich das mittlerweile grundlegend geändert. „Man muss immer mehr in die Abendstunden reingehen mit dem Schulunterricht, anders geht es nicht.“ Dank der zweiten Reithalle, die im Jahr 1993 eingeweiht wurde, ist das allerdings kein Problem. „So können Schul- und Pensionspferdebetrieb ungestört parallel laufen, die Einstaller und Vereinsmitglieder können in Ruhe in der einen Halle reiten, während in der anderen der Schulunterricht läuft.“

 

Auch die Zahl der Schulpferde hat sich im Laufe der Jahre verdoppelt: Zehn Lehrpferde – sowohl Ponys als auch große – stehen den Reitschülern derzeit zur Verfügung. Dressurmäßig sind sie alle mindestens bis zur Klasse A ausgebildet, die meisten beherrschen auch L-Lektionen. Und auch für den Springunterricht stehen bis zur Klasse L vermögende Pferde zur Verfügung. „Außerdem gehen die Turnierpferde unserer Töchter immer mal wieder im Schulbetrieb mit“, erklärt Hildegard Kranen-Leonards. Denn alle drei Kinder sind dem Betrieb und dem dazugehörigen Verein eng verbunden: Die älteste Tochter Barbara (23) ist Köchin und arbeitet in der von den Großeltern auf dem Hof betriebenen Restauration mit. Die zweitälteste Tochter Cornelia (22) hat am Landgestüt in Warendorf eine Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Reiten gemacht und anschließend ein Jahr Berufserfahrung auf dem Gestüt Dobel gesammelt. Danach hat die bis M** erfolgreiche Springreiterin ein landwirtschaftliches Studium angeschlossen, das sie derzeit in der Nähe von München absolviert. „Sie hat darauf bestanden, beruflich nicht nur auf ihre Fähigkeiten im Sattel zu bauen“, erzählt der Vater, der den vorübergehenden Weggang der Tochter mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht. „Es ist ja vernünftig, aber sie fehlt hier schon ein bisschen im Moment.“ Natürlich ist auch die jüngste Tochter der Familie vom „Pferdevirus“ befallen: Die 20-jährige Katharina macht gerade ihr Abitur, hilft aber – so weit es ihre Zeit erlaubt – ebenfalls an allen Ecken im Betrieb, der tatsächlich ausschließlich von Familienmitgliedern gemanagt wird, Angestellte gibt es darüber hinaus keine. „Katharina hat vor allem ein sehr gutes Händchen für die Ausbildung unserer jungen Pferde“, verrät Hildegard Kranen-Leonards. Die jungen Pferde, damit sind die Vierbeiner aus der eigenen Zucht gemeint: Jedes Jahr kommen im Stall der Familie zwei bis drei Fohlen zur Welt. Damit die Zuchtstuten nicht ganz aus dem Training kommen, gehen sie so lange wie möglich ebenfalls im Schulbetrieb mit – allerdings nur eine Stunde täglich. Der Stall Kranen-Leonards in Dürwiß ist außerdem seit zehn Jahren Deckstelle des NRW-Landgestüts in Warendorf. In der Decksaison ist der Cor de la Bryère-Sohn Cassone hier stationiert. 

Doch zurück zum Schulbetrieb
Das Angebot für Reitschüler ist breit gefächert. Longenstunden gibt es für Kinder ab dem Alter von acht Jahren. „Ich habe im Laufe der Zeit die Erfahrung gemacht, dass richtiger Unterricht vorher keinen Sinn macht, weil die Kinder dann noch Probleme haben, die mündlichen Anweisungen umzusetzen“, erklärt Hildegard Kranen-Leonards. Für die kleineren Kinder hat die Trainerin daher immer eine Art Voltigierstunde angeboten, in der der Nachwuchs ab vier Jahren spielerisch an das Pferd herangeführt wurde. „Allerdings ist vor einiger Zeit unser Haflinger, mit dem wir dieses Einstiegsprogramm angeboten haben, eingegangen. Seither bin ich auf der Suche nach einem neuen geeigneten Pferd dafür, bin aber noch nicht fündig geworden leider.“
Wer an der Longe die Grundlagen der Reiterei gelernt hat, kann in eine entsprechende Gruppe im Schulbetrieb wechseln. „An jeder Stunde bei mir können allerdings höchstens vier bis sechs Reiter teilnehmen, in größeren Gruppen haben die Schüler nichts davon. Außerdem lasse ich nur die Anfänger in der Abteilung reiten und setze ansonsten auf individuellen Unterricht, bei dem die Reiter sich in der ganzen Bahn verteilen. Das ginge mit größeren Gruppen gar nicht.“

Im Stall Leonards gehört das Putzen und Satteln der Pferde für die Reitschüler genauso selbstverständlich dazu, wie das Versorgen der Tiere nach der Reitstunde und zum Beispiel das Kehren der Stallgasse nach deren Benutzung. „Wir beaufsichtigen den Umgang mit den Pferden natürlich und helfen, wo es nötig ist. Aber grundsätzlich lernen unsere Reitschüler von Anfang an, das zum Reitsport mehr dazu gehört als nur das Reiten selbst!“
Der Samstagnachmittag ist in Dürwiß dem Springen vorbehalten. Von Traben über Stangen bis zum ersten Parcours können die Schüler das Reiten über Hindernisse hier von der Pike auf lernen. Neben Spring- und Dressurunterricht gibt es aber auch regelmäßige Trainings für das Reiten von Geschicklichkeitsparcours und die Möglichkeit, an Ausritten teilzunehmen. Beim Vereins-Jugendturnier, beim Sommerturnier und bei den Vereinsmeisterschaften können die Schulpferdereiter außerdem erste Turniererfahrungen sammeln. Bei den Vereinsmeisterschaften wird in der Dressur sogar eigens ein „Vereinsmeister auf dem Schulpferd“ ermittelt. „Denn gegen die Privatreiter, die ihre eigenen Pferde jeden Tag reiten, haben die Schulpferdereiter, die oft nur ein- oder zweimal in der Woche kommen, natürlich nicht wirklich Chancen. Also haben wir diese extra Kategorie eingeführt“, erklärt Hildegard Kranen-Leonards.

Auch das Thema artgerechte Haltung wird in Dürwiß groß geschrieben: So genießen die Pferde der Familie ganzjährig Weidegang. „Unsere Pferde kommen das ganze Jahr über auf die Weide – und zwar alle zusammen in der Herde, auch mit den Zuchtstuten und den Fohlen“, betont Paul-Willy Leonards. „Die Weide ist groß genug, dass sich die Pferde auch aus dem Weg gehen können, da gab es bisher nie Probleme. Nicht einmal, wenn wir neue Pferde in die Gruppe integriert haben.“ Sollte das Wetter im Winter wegen Dauerregen und Matsch dem Aufenthalt auf der Weide doch mal einen Strich durch die Rechnung machen, können die Pferde sich zum Ausgleich zwei Stunden täglich frei in der Halle bewegen. Dass diese Art der Haltung mit viel Auslauf gut ist, wird immer wieder dadurch bestätigt, dass fast alle Pferde bis ins hohe Alter fit bleiben. „Zum Beispiel ist das erste Pony, das wir für unsere Kinder gekauft haben, immer noch bei uns. Barbar ist mittlerweile 24 Jahre alt, aber noch topfit. Seit unsere Töchter zu groß für ihn sind, läuft er im Schulbetrieb mit.“ Pony Blitz ist auch schon 21 Jahre alt, aber noch bestens in Form. Als Fünfjähriger kam er zu Hildegard Kranen-Leonards in den Stall und leistet seither treue Dienste. „Wenn wir merken, dass der Schulbetrieb gesundheitlich nichts mehr für die Pferde ist, geben wir sie in der Regel in liebevolle Hände ab, meistens an ehemalige Reitschüler. Unseren Rocko zum Beispiel haben wir 24-jährig in Rente gegeben, der wurde dann noch sechs Jahre als Privatpferd spazieren geritten und hatte so einen tollen Lebensabend.“
Sowohl Hildegard Kranen-Leonards als auch Paul-Willy Leonards sind im zur Anlage gehörenden Verein aktiv: Sie ist Sportwartin des Reitclub Dürwiß, er technischer Leiter. Die Übernahme solcher ehrenamtlicher Aufgaben zusätzlich zum sowieso schon arbeitsreichen Alltag ist für beide selbstverständlich. „Schon mein Schwiegervater hat vor über 30 Jahren damit angefangen, die Zusammenarbeit zwischen dem Betrieb und dem Verein zu intensivieren, indem er das Gelände an den Reitverein verpachtet hat. Das haben wir fortgesetzt und wollen es auch in Zukunft so halten. Daher haben wir die Zusammenarbeit mit dem Verein erst kürzlich um weitere 25 Jahre vertraglich verlängert“, erklärt Paul-Willy Leonards. „Beide Seiten können von dieser Konstellation profitieren, außerdem gehen Arbeitsalltag und Vereinsarbeit bei uns sowieso Hand in Hand. Und unsere Kinder sind als Teil des Vereins aufgewachsen, wir können also sicher sein, dass sie diese Zusammenarbeit später in unserem Sinne fortführen. Daher war ein so langfristiger Vertrag für uns gar kein Problem.“ Doch bis zur Übernahme durch die nächste Generation werden noch einige Jahre ins Land ziehen – und sicher noch das ein oder andere Betriebsjubiläum gefeiert!


Kontakt und weitere Informationen:
Hildegard Kranen-Leonards
Grünstraße 119 b
52249 Eschweiler
Tel. 02403/52582
Mobil: 0179/7694676
Internet: www.reitclub-duerwiss.de

Der Bericht wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch "Rheinlands Reiter + Pferde" / 2011 - geschrieben von Meike Jakobi.

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